:DE: Staking und die Steuern in Deutschland (Proof of Stake)

Hallo Tobi, bitte lies die Posts hier oder frag deinen Steuerberater. Wir sind kein StB Forum. Du scheinst noch einige sehr grundsätzliche Fragen zu haben, lies dich bitte etwas ein.

Kurz zu deinen Fragen, das ist keine StB Beratung, sondern meine persönliche Meinung.

Nein, nicht korrekt. Dein Einkommensteuersatz ist progressiv und individuell. Somit von Person zu Person verschieden-wie oben geschrieben, bei manchen ist er auch 42% bei andern halt 25% oder 22%. Das kommt auf dein Einkommen und den restlichen Vermögen usw an.

Jeder Verkauf, Tausch oder auch Kauf ist, stand heute, als steuerliches Event zu bewerten. Also ja, wenn du verkaufst ist das der Zeitpunkt.

Es muss in dem Jahr angegeben werden, wo sie veräußert werden aber natürlich auch jeder andere Handel angezeigt werden. Es sind keine Kapitalerträge, Stand heute, ist es ein privates Veräußerungsgeschäft. Somit nein, nicht in die Kap Anlage. Dein StB hilft dir hier sicher.

Viele Grüße
Jack

Hallo,

wie verhält es sich bei ERC20 tokens? Die Konvertierung über den ERC20 converter in einen gleichnamigen Token ins Cardano Netzwerk (Einfrierung der ERC20 tokens) wird dann auch als Tausch gesehen und wird ggf. besteuert?
Falls dem so ist müsste man ja mit der Konvertierung warten bis 1 Jahr Haltefrist verstrichen ist…

Gut @JackReach

ich habe meine Tabelle aktualisiert mit folgenden Punkten:

Wichtig, hier das ist keine Steuerberatung, sondern eine Berechnung nach meinem persönlichem Wissen!


Update-Punkte meiner Berechnung
  • Die versetzte Gutschrift der Rewards wird berücksichtigt. (Gutschrift ab x+3 ABER Berechnung bei x+2)
  • Die Rewards, werden bei der Gutschrift besteuert (25% pauschal)
  • Die Rewards, sind beim Verkauf steuerfrei (keine doppelte Besteuerung)
  • Rewards und Preisentwicklung sind Epochengenau
  • Der Verkauf unterliegt der Steuerprogression in der Berechnung

Grundlegende Berechnungskonstanzen

Ich habe für meine neue Berechnung folgende Konstanzen festgelegt:

Angestellter, 50.000,00€ Jahresbrutto einkommen (Monatliches Netto ca. 2.500€)
Ich habe den durchschnittlichen Steuersatz genommen aus der Progressionstabelle (Durchschnitt aller Steuerklassen)

Bei Gutschrift der Rewards, werden von diesen direkt 26% abgezogen
25% für die Steuer
1% für sonstige Gebühren

Die Kosten für den Steuerberater sind nur für die Einkommenssteuererklärung und dort
wurden ein 4/10 Kostensatz angesetzt. (max. 6/10)

20% Wertsteigerung pro Jahr

Ohne Staking Verkauf ist bereits nach dem 1. Jahr steuerfrei

Mit Staking ab dem 10. Jahr steuerfrei


Nun mein Ergebis:

Wenn man Staking betreibt und damit aktiv das Netzwerk unterstützt hat man MAX 1.826€ weniger Gewinn als ohne Staking. Dies tritt im 7. Jahr auf.
Ohne Staking Gewinn = 30.474,44€
Mit Staking Gewinn = 28.648,36€

Selbst wenn ich einen Steuerberater die Steuererklärung machen lassen und er einen Kostensatz von 4/10 annehmen sollte, habe ich zu jedem Zeitpunkt mit Staking einen Gewinn!

Ich persönlich finde auch, dass der Dokumentationsaufwand geringer ist als erwartet:
Auf der Seite https://pooltool.io/ wird im Part Reward Data for Taxes jeder Reward Zeitgenau aufgelistet mit Datum und Umrechnungskurs. Wenn ich diese Liste dann ausdrucke und dem Steuerberater auf den Tisch lege, was hast du noch für einen Aufwand?


Hier noch die Tabelle der Berechnung, damit ihr das nachrechnen könnt:
Staking Berechnung.pdf (500,3 KB)


Klar meine Meinung zu dem “Vorschlag” des Finanzamtes habe ich schon weiter oben gepostet. Ich rechnen nur das der schlimsmte Fall auch auf Staking für mich keinen relevanten Unterschied macht.

Grüße aus :de: Berlin!

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Hallo Rixxo,

Konvertierung ist bisher nicht beachtet und wie immer gibt es auch keinerlei Gesetze. Auch im Entwurf des Rundschreibens hab ich dazu nichts gefunden. Wenn du jedoch ein Coin in einen Anderen konvertierst ist es am Ende ein Trade. Wenn du nur die Chain änderst, bsp. BSC zu ETH oder so, dann gibt es dazu Mal wieder keine Aussage. Gib es mit an und schau was das FA draus macht. Vielleicht lösen sich die 10 Jahre ja noch ganz schnell, viele Verbände verfassen dagegen Positionspapiere: ich war beim Bundesblock bei der Erstellung dabei.

Viele Grüße
Jack

Hallo @Jonny22 ,

vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag und die spannende Berechnung. Macht es sehr transparent und spannend, danke! :+1:

Kannst du bitte kurz erläutern, wie du zu dieser Aussage kommst? Laut deinem PDF ist bis zum 9. Jahr eine negative Differenz zu beobachten und somit ist Staking erst ab dem 10 Jahr kostenneutral. Oder meinst du, es ist die maximal Differenz pro Jahr und das unglückliche 7. Jahr? :wink:

Was du bei der Berechnung, sicher aus Einfachheit, außen vor lässt ist der Steuersatz bei Verkauf. Du gehst von 50 000 Brutto aus, das ist meiner Meinung nach, etwas tief gestapelt aber dann kommt dort ja noch der Gewinn oben drauf.
Also im Beispiel von dir 50T Jahresgehalt plus 50T Gewinn im 9. Jahr bei Verkauf. Somit ca. 100 000 Einkommen - damit steigt der Steuersatz. Das sollte man nicht vergessen.

Wie haben nun schon ab und an festgestellt, dass wird verschiedener Meinung bei dem Thema sind, deshalb nur noch ein ganz kurzes Feedback von mir.

Ich kenne einige Menschen persönlich, die von der 10 Jahresfrist betroffen sind und es geht nicht nur um Staking. Es geht um DeFi - Leding, Liquidity usw. Der Steuerberater hat dort empfohlen 50% des Verkaufsertrages für die Steuer zurückzuhalten.

Mit der Doku gehst du nur von Cardano und Staking aus. Vergisst aber Lending und DeFi im allgemeinen, zudem muss auch Erwerb und Verkauf und natürlich Trading dokumentiert sein. Klar, wenn du wirklich nur 1000 ADA für Euro kaufst und die stakest, dann hast du Recht. So leicht ist es aber vermutlich bei 99% der Menschen nicht. Meine Doku von 2019 umfasst mehrere 1000, in Worten, tausend Seiten.

Bitte nimm es mir nicht übel, aber ich kann dieses ganze “schön” Gerechne einfach nicht mehr lesen und es sendet meiner Meinung nach das falsche Signal. Da Steuersätze individuell und progressiv sind, sollte es jeder für sich selbst entscheiden, ob er das 10 Jahres Risiko eingeht. Man kann jedoch nicht immer nur von around about 25% Steuern ausgehen, das ist einfach falsch. Für mich und alle meine Bekannten, heißt im Moment die Unklarheit, dass neue Münzen nicht mehr für DeFi/Staking genutzt werden :man_shrugging:

Fakt ist, egal wie hoch der Steuersatz ist, wenn man innerhalb weniger Jahre verkauft und die 10 Jahre akzeptiert und sich nicht wehrt, wird Staking/DeFi höchstwahrscheinlich zu einem Verlust führen und das sollte jedem klar sein. Also wehrt euch gegen die 10 Jahre, unterstützt Initiativen und rechnet oder redet es bitte nicht mehr schön.

Viele Grüße und ein schönes We für euch, genießt das Wetter :sun_with_face:
Jack

Hey @JackReach

klar, mir macht es sogar Spaß solche Berechnungen durchzuführen, ich bin eben ein Zahlenmensch. :joy:

Damit ist gemeint, das wenn ich im siebten Jahr verkaufe die größte Gewinndifferenz zwischen “Nicht Staken” und “Staking betreiben” entsteht.
Ab dem 10. Jahr ist es lukrativer als kein Staking, weil eben dort keine progressive Steuer für den Verkauf hinterlegt ist. Somit ist bei Epoche 730 und aufwärts der progressive Steuersatz = 0% hinterlegt um die Steuerfreiheit abzubilden.


Diese Tabelle hat beim Verkauf den Progressiven Steuersatz berücksichtigt. In der pdf, die wie ich jetzt sehe leider ein wenig kaputt formatiert wurde, ist rechts der Part Steuerlast Verkauf abgebildet. Dort habe ich per Online Rechner mir eine Steuertabelle mit progressiven Steuersatz ausrechnen lassen, sodass
Gegenwert Euro + 50.000€ = zu versteuerndes Einkommen ist
Ich habe dann von diesem Einkommen den durchschnittlichen absoluten Steuersatz (Einkommenssteuer + Soli) genommen und als Steuerlast Verkauf berechnet.

Natürlich kann es sein, dass Menschen mehr verdienen, klar. Fakt ist das laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2019 jeder Bundesbürger im Schnitt ein Bruttogehalt von 19.860€ pro Jahr hatte!
Klar gibt es welche die etwas mehr “traden”, dafür gibt es online aber kostengünstige Tools zum dokumentieren und ausrechnen.
Mehr Trades sind natürlich mehr Kosten, klar, aber ich denke im Schnitt immernoch günstiger als der Steuerberater. Am Ende könnte ich auch einfach meine Binance Transaktionsliste ausdrucken und dem Steuerberater geben.


Ich verstehe deine persönliche Meinung dazu, deswegen ich möchte mich jetzt aus der Diskussion “Haltefrist oder nicht” raushalten und nur einmal den Worst-Case durchsimulieren, damit wir alle eine Vorstellung haben worüber wir genau sprechen, wenn darüber reden welchen Schaden diese Regelung anrichtet (zumindest im Bereich Staking)
Da aber DeFi und Lending ähnlich auf Reward-Basis basieren sollten ist die Rechnung eine ähnliche. Ich bin ehrlich ich habe mich mit diesem Thema noch nicht so tiefgründig befasst, aber von der Idee her müsste es ähnlich sein.

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@Jonny22 Danke für deine ausführliche Beschäftigung mit dem Thema! Sicherlich werden viele wie ich still mitlesen. Ich jedenfalls bin dir immens dankbar für dir konkrete Auseinandersetzung, da ich überhaupt kein Zahlenmensch bin. :slight_smile:

Ich habe eine kurze Frage: Gehst du davon aus, dass ab dem 10. Jahr alles steuerfrei verkauft werden könnte? Dass also die 10 Jahre sich nicht mit jeder Epoche / jedem Staking Reward wieder auf den Anfang zurücksetzen? Ich weiß jetzt nicht wie das mit Containern gehandhabt wird.

Jedenfalls dürften die 10 Jahre mindestens ab Zufluss (also beispielsweise Kaufdatum) gelten, wenn nicht ab dem letzten Reward.

Demnach wären diese „alles nach 10 Jahren verkaufen“ Ideen sowieso Unfug, da nur die allerersten Coins dann steuerfrei würden. (Wenn es nach Kaufdatum geht).

Und eine mehrteilige Nebenfrage, die aber vielleicht eher in „hier keine Steuerberatung“ hinein passt - aber vielleicht hat ja jemand eine Einschätzung:

Wenn ich einen NFT geschenkt bekomme, der momentan gar keinen Wert hat, und dieser dann Wert bekommt während ich ihn besitze - dann ist der doch immer noch steuerfrei zu verkaufen?

Das gleiche mit Tokens (z.B. PIGY), die ja (noch) nirgends gehandelt werden und somit keinen Wert haben.

Nochmal anders wenn ich einen NFT geschenkt bekomme der heute schon gehandelt wird. Dann ist er als Geschenk (statt Arbeitseinkommen) nicht bei Zufluss zu besteuern, nehme ich an? Ist er bei Verkauf zu besteuern wenn ich doch nie etwas dafür bezahlt habe, also keinen Gewinn?

Liebe Grüße und danke für den Einsatz als Ambassador und Community-Leuchtturm!

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Deine Frage zum NFT wird im Rundschreiben gar nicht betrachtet. Dort gibt es nicht mal NFTs…das zeigt halt auch die Qualität des RS🤷‍♂️ Gesetze gibt es nicht zum Thema.

Bedeutet, keiner weiß es. Bestcase, deinem FA SB ist es egal und es rutscht durch. Worstcase, alles wird als Gewinn angesehen und versteuert, wenn du verkaufst.

Wird am Ende ein Gericht entscheiden, falls der zweite Fall eintritt und du dich wehrst.

Das ist aber alles Theorie, wie der ganze Verlauf hier, jeder Kommentar und Berechnung und Aussage nur Theorie und private Meinung ist. Keiner weiß es, das ist das Problem. Am Ende kommt es auf dich, deinen StB und deinen Sachbearbeiter beim FA an und ob du dich ggfs. wehren möchtest.

Danke @fiocalisti :blush:

In der Berechnung bin ich davon ausgegangen, dass der Kaufzeitpunkt die 10 Jahresfrist anstoßen und dann danach steuerfrei verkauft werden können (also eigentlich ab Epoche 731, so kleinlich wollte ich aber nicht sein).
Die Rewards habe ich in der Berechnung nun immer beim Zufluss/Gutschrift versteuert und beim Verkauf komplett steuerfrei verkauft.

Hätte ich in der Tabelle mehrere Käufe/Verkäufe gehabt dann wäre ich nach dem FiFo-Prinzip gegangen (Jeder Coin wird einzeln betrachtet nach Gewinn und der erste gekaufte Coin ist auch der erste der verkauft wird → Ich persönlich hätte dann also ab jedem Kauf die 10 Jahre in dieser Worstcase-Berechnung berechnet)


Wegen den NFTs und FTs hat @JackReach schon geantwortet und dem gehe ich so mit. Dies wurde gar nicht betrachtet vom FA. Ich denke aber NFTs wurden nicht beachtet oder beschrieben weil diese bereits in die Kategorie Kunstgegenstände fällt.

Kunstgegenstände haben eine Spekulationsfrist von 1 Jahr und zählen auch zu den privaten Veräußerungsgeschäften. Spekulationsfrist – was ist das? .  VLH

Ich würde auch die Analogie heranziehen:
Jemand schenkt dir ein originales Picasso-Bild. Das Picasso-Bild hat auch keinen “Wert” zum Zeitpunkt der Schenkung, da es keinen liquiden Referenzmarkt gibt. Du möchtest das Bild nun verkaufen auf einer Auktion und bekommst dafür Geld. Jeder Euro ist demnach dann ein Gewinn, da du das Bild für 0,00€ bekommen hast.


Bei den Token haben wir rechtlich und steuerlich das selbe Problem wie bei den normalen nativen Coins. Was ist das und wie muss das behandelt werden?
Kryptowährungen sind wie ich etwas weiter oben in einem anderen Beitrag erwähnt hatte, per rechtlicher Auffassung eben keine Währung aber Geld, wodurch jegliche Einordnung fehlt. Dadurch kann man es leider nicht sagen.

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Danke @JackReach und danke @Jonny22 !

PS: Bei einen Picasso Bild würde das Finanzamt bei einer Schenkung bestimmt einen Wert schätzen, oder?

Natürlich könnte das Finanzamt einen Kunstsachverständigen auf einen hetzen, der den Wert schätzen soll. Es gibt ja andere Picasso Bilder, die versteigert wurden, wahrscheinlich wurde das auch bereits versteigert etc.

Wenn ich diese Idee etwas abändere, ist diese aber richtig:
Ich bin ein unbekannter Künstler der einige schöne Bilder gemalt hat und als NFTs verewigt hat (aktuell 2 Stück in meiner privaten Wallet). Ich bin nun so freundlich und schenke dir zum Beispiel eines meiner Originalen Bilder in NFT-Form.
Diese haben keinen Referenzmarkt und jeder Sachverständige würde die als Wertlos/Liebhaberei betrachten. Das muss aber nicht so bleiben, vielleicht bin ich irgendwann ein super bekannter Künstler der sehr viele Kunstwerke über das Artano-Projekt versteigert und das für sehr viel Geld.
Dann wäre das Bild mit 0,00€ in dein Eigentum übergegangen und du hättest einen heiden Gewinn zu versteuern.

Hey All, a question about Germany taxes, but not from a native German speaker… So my apologies for doing this in English. I’m trying to figure out how the income from a Stake Pool Operation would be taxed in Germany.
I see (through google Translate) that a big piece is written about Mining and Mining pools in PoW, but I cant find anything about Stake Pools in PoS. Any suggestions for resources to check?

Hi!

I’m pretty sure it works the same as staking. You get rewards every epoch and you need to pay income tax of each reward’s value at the time you receive it.

Your pledge and stake will (in the worst case) be taxable for 10 years.

Hey @wouter_CAPEX
in my opinion the operationg of a Stake Pool is a business. It is planned for a longer time, you want to make money with it and you do it on your own.
As a independent entrepreneur you need to have a look on three different taxes:

  • Einkommenssteuer (EStG)
  • Gewerbesteuer (GewStG)
  • Umsatzsteuer (UStG)

If you are an corporation, there is one more tax additional to the three above:

  • Körperschaftssteuer (KStG)

Overall this is a very complex topic and it could be wise to talk to an tax consultant before you do something.

Thanks @Jonny22, I’ll make sure to get some professional too have a good look at this. The Umsatzsteuer is going to be interesting when there is nobody to bill… I’m sure there is a way to do this.

Ich habe mir mal diesen Thread in einer freien Minute oder in ein paar freien Stunden :wink: durchgelesen. Ich selber arbeite seit 5 Jahren in der niedersächsischen Steuerverwaltung, also auf Deutsch: Ich bin beim FA.

Mein Account ist gerade relativ frisch, da ich spontan kurz ein paar Worte loswerden wollte. Ich habe ein wenig das Gefühl, dass die Steuerverwaltung hier teilweise als letzte Instanz angesehen wird, die eine verbindliche Aussage trifft, an der am Ende alle festhalten. Der Schritt, sich an das örtliche Finanzamt zu wenden ist natürlich absolut legitim und nachvollziehbar, da es in Sachen Steuern die höchste Bürgernähe nachzuweisen hat. (Logischerweise rennt mit Krypto keiner zur Kfz-Steuerstelle).

Ich kann euch jedoch aus eigener Erfahrung nahe legen, dass eine verbindliche Auskunft beim örtlichen Finanzamt meiner Meinung nach nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt. Das Thema Krypto und alles was damit zu tun hat, ist in meiner Dienststelle sehr sehr unbekanntes Territorium. Und auch der Bearbeiter am Telefon wird noch weniger dazu sagen können. Wir - die Bearbeiter - hangeln uns genauso durch den Steuerdschungel wie die Steuerpflichtigen. In Sachen Arbeitszimmer, Haushaltsnahe Dienstleistungen, Werbungskosten, Reisekosten und energetische Maßnahmen sind wir fit, da dies unser täglich Brot ist. Krypto ist allerdings noch weit davon entfernt, regelmäßig in Fallkonstellationen aufzutauchen und leider macht man sich auch erst dann wirklich Gedanken darüber, da das Vorgehen in unseren Behörden grunsätzlich als Empirisch anzusehen ist. Und ohnehin wird selbst dann noch auf eine Anweisung der übergeordneten Behörde (z.B. Landesamt für Steuern Niedersachsen) gewartet. Dies ist nunmal leider der langsame bürokratische Weg unserer Verwaltung. Die Krypto-Welt ist natürlich wesentlich schneller und flexibler. Hier treffen regelrecht zwei Welten aufeinander. Fakt ist natürlich, dass das Staking nicht einfach pausiert werden sollte, bis die Herrschaften sich geeinigt haben.

In erster Linie ist nun erstmal wichtig, dem Finanzamt alles Notwendige mitzuteilen, um nicht selber früher oder später in der “Steuerfalle” zu landen. Sollte sich das herausstellen, können Bescheide nach Rechtskraft bis zu 10 Jahre geändert werden (bei Steuerhinterzug). Inklusive Nachzahlungszinsen ist euer Reward dann ganz schnell weg. Andererseits kann man bei bereits rechtkräftigen Bscheiden nur hoffen, im Rahmen des §173 AO zu landen. (Aufhebung oder Änderung von Steuerbescheiden wegen neuer Tatsachen oder Beweismittel). Einer Anmerkung würdig ist meiner Meinung nach auch die Tatsache, dass die Praxis sich immer nochmal deutlich von der Theorie unterscheidet und vieles im Einzelfall entschieden wird. Ein genaues Rezept wird es daher vermutlich in absehbarer Zeit nicht geben. Hinter den Vorhängen hält in den Büros dann doch häufig auch die Menschlichkeit Einzug und es werden Dinge auch mal gelöst, ohne rechtlich 100% korrekt zu sein, um einfach die Arbeit vom Tisch zu bekommen. (Vor allem auch in Sachen Änderung von Bescheiden…)

(Alle Angaben beruhen auf meine Erfahrungen und sind nicht dienstellenübergreifend als allgemein gültig anzuerkennen. Die eine Steuerverwaltung ist in einem Thema etwas flotter als wiederrum die andere und es gibt auch Unterschiede in der Organisation und den Arbeitsabläufen innerhalb der Verwaltungen).

Ich selber halte seit diesem Frühjahr ebenfalls ADA und delegiere diese in einem Stakepool. Im Jahr 2021 werde ich die Freigrenze überschreiten, daher ist auch für mich privat dieses BMF-Schreiben (Entwurf bisher) sehr interessant.

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@Insel Danke für deine wertvollen Einblicke!

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Vielen Dank!:+1:

Also zusammenfasst, genau wie bisher immer beschrieben, alles angeben, versuchen eine Lösung mit dem SB vom FA zu finden und wenn das nicht klappt, in Widerspruch gehen und schauen wohin die Reise geht.

Edit: Von der „verbindlichen“ Auskunft hatte ich auch, nach Rücksprache mit meinem StB, abgeraten. Danke, dass du das nochmal schön erklärst und ausführst.

Bleibt spannend🍿Vielleicht klärt sich noch Einiges zum Positiven mit dem RS oder den ersten Gerichtsentscheidungen.

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Hallo zusammen, lese hier ein Weilchen mit. Hier eine Stellungnahme zum BMF Schreiben vom Deutschen Anwaltverein. (Danke für den Link an Acura360 vom Coinforum!)

https://anwaltverein.de/de/newsroom/sn-46-21-ertragsteuerrechtliche-behandlung-von-krypto-währungen?file=files/anwaltverein.de/downloads/newsroom/stellungnahmen/2021/dav-sn-46-2021-virtuelle-waehrungen-token.pdf

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Hallo Tarzan,

danke für den Link. Gefällt mir grundsätzlich so mittelgut, da ich einige Sachen vermisse, wie beispielsweise das Thema Doppelbesteuerung von Staking rewards (bei Erhalt und dann nochmal bei Verkauf). Schade finde ich auch, dass Sie keinen Vorschlag unterbreiten, wie mit DPoS umgegangen werden soll, sondern in Abschnitt III nur darauf verweisen, dass es das gibt und es bisher nicht eindeutig im Schreiben defineirt ist. Auch verstehe ich nicht, warum Sie sagen, dass solche Punkte nicht in einer Überarbeitung aufgenommen werden solten, sondern, dass das Dokument dahingehend “erweitert” werden solte. Hat sicherlich seine Begründung, aber ich würde erst mal versuchen die Kritikpunkte einzuarbeiten…

Das Thema Haltefrist taucht nur zwei Mal auf und in Verbindung mit dem Thema staking gar nicht. Einmal beim Thema Lending (Seite 4 ganz oben, wo sie die Haltefristverlängerung (beim Lending) als “dogmatisch schlüssig” ansehen und einmal im Zusammenhang mit dem Thema Masternodes (Seite 5, 2. Absatz), wo sie eine Überdenkung/Überarbeitung anregen.

Alles in allem hätte ich mir eine etwas mutigere Position gewünscht, die klarer für den Privatanleger ausgelegt ist. Trotzdem erst mal gut, dass es überhaupt ein Schreiben gibt (und da sind auch viele gute Sachen drinnen), das hoffentlich auch einiges Gewicht hat. Die für mich wichtigsten Elemente sind aber für mich eigentlich nicht behandelt worden (Doppelbesteuerung und Haltefrist von 10 Jahren bei staking), daher bin ich trotz allem ein bisschen enttäuscht :slight_smile:

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